Wie ist Trialog gedacht?
Im Trialog begegnen sich Borderline-Erfahrene, Angehörige und professionelle Helfer jenseits festgelegter Rollen und definierter Abhängigkeiten auf neutralem Boden und auf Augenhöhe. Soziale Distanzen werden reduziert, das Anderssein von Menschen und die Verschiedenheit von Lebensentwürfen werden anerkannt und Sensibilität im Umgang mit sich selbst wird gefördert. Da der Trialog zudem weder unter Lösungs- noch unter Leistungsdruck steht, öffnet er einen zeitlich begrenzten Raum für echte zwischen-menschliche Begegnungen. So werden Handlungsmuster für einen gelingenden Beziehungsaufbau quasi unter Laborbedingungen erlebbar. Da die unterschiedlichen Positionen sich nicht rechtfertigen müssen, können sie gegenseitig angstfrei dargestellt und aufgenommen werden. Wenn fremde Positionen die eigenen nicht verdrängen wollen, können sie zum Impuls werden, das eigene Menschenbild und Krankheitsverständnis weiterzuentwickeln.
Sich auf Augenhöhe als ernst zu nehmende Menschen, als Experten in eigener Sache und als Experten durch Ausbildung und Beruf zu begegnen, bedeutet nicht, die Hilfsbedürftigkeit des Borderline-Erfahrenen, die Arbeitsdichte der Professionellen oder die Verzweiflung der Angehörigen zu leugnen. Je mehr es uns jedoch gelingt, die wechselseitigen Vorurteile aufzuarbeiten, desto eher wachsen auch die Chancen, die öffentlichen Zerrbilder zu verändern. Diese Antistigma-Arbeit leistet der Trialog über viele Ebenen: Treffen, Vernetzungen, Öffentlichkeitsarbeit … Der Trialog will eine wertschätzende Handlungskultur leben, in der alle Beteiligten bereit sind, einen Perspektivwechsel vorzunehmen und einen offenen Diskurs zu führen.
„Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Beziehung.“ [Virginia Satir (1916-1988), Pionierin der Familientherapie]
In diesem Sinne heißen wir alle Menschen bei uns willkommen.
Gruppenbegleitung: Bärbel Jung, Vorsitzende des Borderline Trialog Kassel e.V.
Es sind ca. 7 Termine im Jahr geplant
(1. Samstag im Monat, 11:00 Uhr bis 13 Uhr, in den Räumen der KISS, Treppenstr. 4, Kassel)
Gruppenbegleitung: Om B. Jung, Vorsitzende des Borderline Trialog Kassel e.V.
Was ist Borderline?
Die Borderline-Störung (BPS) oder auch emotional instabile Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Störung, die die Betroffenen selbst und deren soziales Umfeld häufig an die Grenzen der emotionalen Belastbarkeit führt.
Menschen mit BPS reagieren sensibler auf gefühlsmäßige Reize und lassen sich leichter von Gefühlen anstecken.
Emotionen sind stärker ausgeprägt und werden intensiver erlebt, was in alltäglichen Situationen zu Schwierigkeiten führen kann.
Menschen mit BPS erleben eine Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität und Integrität. Oft besteht ein anhaltendes Gefühl innerer Leere, und anders zu sein als andere. Daraus ergeben sich Schwierigkeiten im Selbstbild und im Kontakt mit dem Umfeld.
Langfristige, Halt gebende Beziehungen können nur schlecht aufgebaut werden, so dass ein unterstützendes soziales Netzwerk oft nicht besteht.
Auf der Verhaltensebene kommt es bei über der Hälfte der Betroffenen zu selbstschädigendem Verhalten, dabei sind am auffälligsten die selbstzugefügten Schnittwunden. Aber auch übermäßiger Alkoholkonsum zur Spannungsreduktion, Drogenkonsum, Hochrisikoverhalten und Essstörungen gehören dazu.
